Extreme Ungleichheit ist Sprengstoff für den sozialen Zusammenhalt

Extreme Ungleichheit ist Sprengstoff für den sozialen Zusammenhalt

Sie passen gemeinsam um einen großen Tisch – oder in eine Stretchlimousine. Wer? Die acht Männer, die zusammen so viel Vermögen besitzen wie 3,6 Milliarden Menschen, die die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen. Das zeigt Oxfams jüngster Bericht, den wir anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht haben.

Um diese abstruse Konzentration von Reichtum zu veranschaulichen: Wäre das Weltvermögen ein Kleinwagen, gehörte der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung gerade einmal der mitgelieferte Wagenheber.Willkommen in der Welt der Ungleichheit! Die ist weitaus dramatischer als wir dachten. Neue Daten, vor allem aus Indien und China, belegen, dass die ärmere Hälfte sehr viel weniger besitzt als bislang angenommen.

Wir dürfen dieser skandalösen Entwicklung nicht länger zusehen: Extreme Ungleichheit sprengt den sozialen Zusammenhalt, behindert den Kampf gegen die Armut und schafft den Nährboden für Demokratiekritiker und Feinde einer solidarischen Gesellschaft.

In den USA hat der Milliardär Trump die Wahl auch deshalb gewonnen, weil es ihm gelungen ist, Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen, die ihre Arbeit verloren und das Gefühl haben, sozial und wirtschaftlich im Abseits zu stehen. Ähnliches gilt für die Brexit-Entscheidung der Briten.

Auch in Deutschland fühlen sich Menschen von der Globalisierung, dem demographischen Wandel und den veränderten Arbeitsverhältnissen überfordert und ausgegrenzt. Die Gefahr ist, dass sie sich Parteien zuwenden, die Sündenböcke anbieten, aber keine Lösungen. Das dürfen wir nicht zulassen.

Die Ursachen der globalen Ungleichheitskrise sind bekannt: Großkonzerne und Superreiche treiben die Ungleichheitskrise an. Sie drücken sich durch allerlei Tricks davor, Steuern zu zahlen und nutzen ihr Geld und ihren Einfluss, Regeln zu ihren Gunsten schaffen. Um die Interessen von Finanzinvestoren zu bedienen, drücken Konzerne Löhne und Lieferantenpreise, die so immer weniger an den Gewinnen beteiligt werden. Mitschuld an der wachsenden Ungleichheit hat außerdem eine Politik, die sich immer noch von der fatalen Vorstellung leiten lässt, Märkte bräuchten möglichst wenig Regulierung.

Die Alternativen liegen auf der Hand: Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, dass alle Menschen im Blick hat und berücksichtigt. Ein System von dem die Mehrheit aller Menschen profitiert, nicht nur extrem Reiche; in dem Erfolg davon abhängt, ob jemand Talent hat und für eine Idee brennt, nicht weil er oder sie privilegiert geboren wurde; in dem jeder von seiner Arbeit leben kann und in der alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben.

Dazu braucht es weltweit Regierungen, die im Interesse des Gemeinwohls und der sozialen Menschenrechte handeln. Und Unternehmen, die ihrer sozialen Verantwortung nachkommen, gerechte Steuerbeiträge zum Wohl der Gesellschaft leisten, faire Löhne zahlen und die Rechte ihrer Mitarbeiter respektieren.

Eine Kernforderung in diesem Zusammenhang ist Steuergerechtigkeit: Wir brauchen Steuern auf besonders hohe Einkommen und Vermögen, damit auch extrem reiche Personen ihren fairen Anteil zum Gemeinwohl beitragen. Der ruinöse Steuerwettlauf nach unten muss gestoppt werden, durch einen weltweit geltenden Mindeststeuersatz und das globale Ende von Steuerbefreiungen für Unternehmen. Und wir müssen endlich Steueroasen trockenlegen, mittels Transparenz und geeigneter Sanktionen.

Damit sich etwas zum Positiven bewegt, sind wir alle gefordert. Jede und jeder kann etwas tun, im Kleinen wie im Großen. Es kommt auf uns an: jetzt!